Norbert Müller (Fachbereich Sport)
muellern@uni-mainz.de
Der Sport an der Universität Mainz. Von der Wiedereröffnung 1946 bis zur
Sportlehrerausbildung 1955
Als am 22. Mai 1946 die Johannes
Gutenberg-Universität feierlich eröffnet wurde, spielte die Frage der Aufnahme
eines studentischen Sportbetriebs verständlicherweise noch keine Rolle.
Aus den uns heute zugänglichen
Dokumenten, insbesondere den Denkschriften und Statuten zur Wiedereröffnung der
Mainzer Universität, können wir keine Hinweise auf eine Einbeziehung des Sports
zum Zwecke einer ganzheitlichen Ausbildung der Studenten entnehmen. (2). Dies erscheint
nur allzu verständlich, da in der NS-Zeit der Sport, gerade auch an den
Universitäten als Pflichtprogramm für alle Studierende, einen ideologisch
belastenden Platz eingenommen hatte. Die Gründung der Universität Mainz jedoch
sollte nach dem Willen der Franzosen gerade zu diesem frühen Zeitpunkt die neue
geistige Ausbildung der jungen Deutschen fördern. (3) Obgleich Leibesübungen
und Sport damit kein Teil des Bildungsauftrages wurde, war dennoch von Seiten
der Militärregierung bei der Neugliederung des Sportvereinswesens im Gebiet der
französischen Zone auch an die Gründung von "Universitäts-Sportvereinigungen"
aus Gründen der demokratischen Erneuerung gedacht worden.
In einem Rundschreiben vom 26.
Februar 1946, das allen Studenten und Studentinnen durch einen mehrmonatigen
Aushang am Schwarzen Brett bekannt gegeben worden war, heißt es:
"Es wurde als wünschenswert
befunden, in den Studentenzentren die Schaffung einer Universitäts-Sportvereinigung
des Typs, der alle Sportarten umfasst, neben der eigentlichen zivilen
Sportvereinigung zu genehmigen... Insbesondere ist es unerlässlich, sich davon
zu überzeugen, dass eine solche Vereinigung von Anfang an eine genügende Anzahl
Mitglieder besitzt, die für die demokratischen Ideen gewonnen sind, um dem Einfluss
von nationalistischen Elementen entgegenzutreten, die unter dem Deckmantel des
Sports versuchen könnten, eine Phalanx der Opposition gegen das Werk der
demokratischen Neuerziehung, das die Militärregierung in der besetzten Zone
führt, zu bilden." (4)
Damit war zumindest ein
rechtlicher Rahmen für eine sportliche Betätigung der Studierenden gegeben,
wobei die örtlichen Gegebenheiten zumindest Ausbaumöglichkeiten boten.
Dass bei .der Planung der neuen
Universität an Sportmöglichkeiten bereits gedacht wurde, entnehmen wir zwei
frühen Zeitungshinweisen:
Am 8.3.1946 heißt es im Mainzer
Anzeiger:
"Große Baderäume im Souterrain,
ein Sportplatz und ein reizendes Wäldchen werden der akademischen Jugend zur
Verfügung stehen." (5)
Und am Vortag der
Universitätseröffnung ist der gleichen Zeitung zu entnehmen:
"Hinter... dehnt sich ein
Wäldchen aus...und daran schließt sich auch noch ein Sportplatz an, der eine
Aschenbahn und ein Spielfeld besitzt. Mag er auch im Augenblick noch nicht ganz
einladend aussehen, er wird es in Kürze sein. Darüber hinaus braucht der
Student aber nur wenige Minuten zu gehen, um den großen städtischen Sportplatz
am Bruchweg zu erreichen." (6)
Der erste konkrete Anstoß zur
Durchführung von Sportstunden für Studierende ging im Sommersemester 1946, also
dem ersten Semester der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, von der
Gymnastiklehrerin Barbara Müller aus. Diese wandte sich an den Gründungsrektor,
Prof. Dr. Schmid, mit der Bitte, an der Johannes Gutenberg-Universität,
Gymnastik auf freiwilliger Basis für die Studentinnen geben zu dürfen. Am
23.6.1946 erhielt Frau Müller einen Lehrauftrag für das laufende Sommersemester
für 2-3 Stunden Gymnastik in der Woche, der Unterricht sollte ab Anfang Juli
stattfinden. Damit war - auch ohne die Gründung einer
Universitäts-Sportvereinigung - ein erster Anfang gemacht, obgleich Frau Müller
zu Recht Klage darüber führt, dass kein geeigneter Raum dafür zur Verfügung
stand. Die Beteiligung lag anfänglich bei 8-10 Studentinnen, später wurden es
einige mehr. (7)
Die Arbeit des Sportamtes von 1946 - 1949
Im Verlauf der Semesterferien nach
Ende des SS 1946 errichtete die Universitätsverwaltung entsprechend dem Vorbild
der anderen deutschen Universitäten ein eigenständiges Sportamt, das ab diesem
Augenblick für den studentischen Sportbetrieb zuständig sein sollte. Mit dem
Diplom-, Turn- und Sportlehrer Dietz wurde ein hauptamtlicher Leiter bestellt.
Ziel war ein breites Angebot für Studentinnen und Studenten, doch der neue
Leiter bestand zuerst einmal auf. Zuweisung eines entsprechenden Raumes, da er
die provisorischen Verhältnisse des Sommersemesters 1946, denen Barbara Müller
ausgesetzt war, nicht akzeptieren wollte. Erst Ende Februar 1947 konnte nach
Zuweisung des Speicherraums über der alten Mensa als "Sporthalle" der
Sportbetrieb aufgenommen werden. Im Gegensatz zu dem verpflichtenden
Hochschulsport vor dem 2. Weltkrieg umschrieb man den Sportbetrieb mit der
Bezeichnung "freiwilliger Sport". In der Mitte der fünfziger Jahre
wurde daraus der feste Namen "Freiwilliger Studentensport", welcher
heute noch gilt, auch wenn wir eher von „Hochschulsport“ sprechen, da alle
Uni-Bediensteten heute einbezogen sind.
Wie das erste Programm des
freiwilligen Sports für das WS 1946/47 aussah, ist nachstehendem Abdruck des
uns glücklicherweise in den Rektoramts-Akten erhalten gebliebenen Aushangs vom
17.2.1947 zu entnehmen:

Durch den späten Beginn der
Sportstunden war die Resonanz jedoch sehr gering geblieben. Neben dem Sportamt
richtete im WS 1946/47 der Allgemeine Studentenausschuss (ASTA) ein
Sportreferat ein. Somit war auch von studentischer Seite das Interesse am
Sportbetrieb deutlich gemacht worden, zumal die Studenten einen festen Betrag
innerhalb der allgemeinen Studiengebühren für den Sport zu entrichten hatten.
Zu dieser Zeit war auch daran
gedacht worden, fehlende Sportstätten teilweise durch studentischen
Arbeitseinsatz zu errichten. (8)
Es nahmen etwa 200 Studierende am
Sport damals teil. Die Übungszeiten waren in die Abendstunden gelegt worden, um
den übrigen Studienbetrieb nicht zu stören; dadurch hatten Studentinnen und
Studenten, die jeden Tag von zu Hause nach Mainz fuhren, kaum Gelegenheit,
daran teilzunehmen. An dieser Situation hat sich bis heute kaum etwas geändert,
wobei dies für alle Hochschulorte gilt. Einigen Studierende, die mit der
Anfrage nach Ruder-Möglichkeiten an das Sportamt herantraten, konnte durch die
Vermittlung von Pässen für die amerikanische Zone und der Teilnahme am
Rudertraining vermutlich des Kasteller Rudervereins, geholfen werden. (9). Bei
Wünschen dieser Art handelte es sich jedoch um Einzelfälle, wobei das Gros der
Studierenden Verständnis für die schwierige Platz- und Hallensituation und
damit auch für den späten Beginn des Sportbetriebs im Wintersemester 1946/47 hatten.
Schwierigkeiten bereitete dem Sportamt und den beteiligten Studierende
besonders auch die Sportausrüstung. Käuflich konnten damals keine Sportartikel
erworben werden, da die Produktion solcher Artikel noch nicht angelaufen war.
Andere Universitäten konnten auf alte Bestände zurückgreifen oder die
Alliierten Truppen halfen aus ihren Armeebeständen aus. Diese Möglichkeit war
jedoch in Mainz auch nicht gegeben. Auch die Studierende waren nur vereinzelt
in der Lage, Ausrüstungsstücke zum Unterricht mitzubringen, da diese Dinge in
den Monaten seit Kriegsende "fast restlos im Tausch gegen Nahrungsmittel
den Sportvereinen auf dem Lande überlassen worden" waren. (10)
Da die Universität lediglich über
eine "Sporthalle" und einen Tischtennisraum verfügte, das Interesse
am Sport unter den Studierende jedoch stark zunahm, wurde ab dem Sommersemester
1947 das Städtische Stadion "Am Bruchweg" für den Bereich Hockey,
Handball und Fußball angemietet. Das Leichtathletiktraining fand anfänglich auf
dem Gonsenheimer Waldsportplatz statt. Als weitere Sportarten kamen 1948 Tennis
und Wassersport hinzu, wobei für den ersten Bereich die Plätze des Katholischen
Jugendwerks (Am Fort Gonsenheim) und für das Schwimmen das Bad
"Undine" auf der Ingelheimer Aue benutzt wurde. (11)
Über Sportwettkämpfe sowohl
universitätsintern als auch mit anderen Universitäten oder Vereinen ist aus den
Anfangsjahren 1946 bis 48 nichts bekannt, jedoch dürften zumindest universitätsinterne
Vergleichskämpfe stattgefunden haben. Einem Aushang des Sportamtes vom 7.3.1947
entnehmen wir hierzu:
"Dem allgemein großen
Interesse entsprechend werden neben prakt. Übungen für die einzelnen Sportarten
Wettkämpfe durchgeführt." (12)
Eine Anfrage des Sportamtleiters
vom 31.5.1947 an den Rektor der Universität, ob Wettkämpfe mit Hochschulen
außerhalb der französischen Zone durchgeführt werden könnten, wurde negativ -
nach Rücksprache mit der französischen Militärregierung - beschieden. (13) Wenn
also in dieser Frühzeit bereits solche Wettkämpfe angestrebt wurden, dürften
Wettkämpfe im Bereich der Universität und der französischen Zone bereits
stattgefunden haben. Ein Jahr später teilte der Kurator der Universität dem
ASTA mit, dass die französische Militärregierung nunmehr keine Einwände gegen
interzonale Sportwettkämpfe mehr hätte und der französische Universitäts- und
Sportoffizier bei der Mainzer Militärverwaltung auf Antrag die nötigen Pässe
besorgen würde. (14) Die Tatsache, dass Kurator Eichhorn Schwiegersohn von Colonel Kleinmann, dem für die
Universität Mainz zuständigen Offizier der Militärregierung, war, dürfte auch
diesen Prozess begünstigt haben. Eine umfangreiche Terminliste für sportliche
Begegnungen meist mit benachbarten Sportvereinen in Handball und Fußball,
daneben Zonenmeisterschaften in Hockey, Handball und Leichtathletik liegt für
das SS 1949 vor. Der erste größere interzonale Vergleichskampf gegen die
Sporthochschule Köln im Fußball, Handball, Hockey und in einigen
Leichtathletikwettbewerben ist aus den Akten für den 31.5.1949 in Mainz zu
entnehmen, doch handelte es sich hier bereits um einen Rückkampf, so dass es bereits
zu einem früheren Zeitpunkt interzonale sportliche Begegnungen, vermutlich im
SS 1948, gegeben haben muss. (15)
Die Arbeit des Sportamts unter Berno Wischmann ab SS 1949
Am l. April 1949 hatte es in Bezug
auf die Leitung des Sportamtes einen Wechsel gegeben, der für die gesamte
Entwicklung des Sports an der Mainzer Universität entscheidende Bedeutung
erhalten sollte. Der Dipl.-Sportlehrer Berno Wischmann hatte zum Sommersemester
1949 die Leitung des Sportamtes übernommen, nachdem der bis dahin tätige
Leiter, Dietz, am 22.3.1949 nach Differenzen mit den Obleuten der einzelnen
Sportarten und dem ASTA der Universität, der ihm mangelnde Initiative
vorgeworfen hatte, (16) gekündigt hatte. Berno Wischmann war von 1947 bis zu
seiner Arbeitsaufnahme an der Universität Mainz am 1. April 1949 Verbandssportlehrer
des Leichtathletik-Verbandes Rheinland gewesen. Über seine neue Aufgabe
bekannte B. Wischmann später einmal folgendes: "Dies war ein Auftrag, der
mir nach einer langen Zeit, die ich außerhalb meines Berufes (durch
Kriegsdienst, d. Verf.) verbracht hatte, nicht leicht fiel. Wohl hatte ich
große Pläne". ( 17)
Bereits im Sommersemester 1949
wurde das Sportangebot gegenüber den vorausgegangenen Semestern fast
verdoppelt. Hinzu kamen im Wintersemester 1949/50 Basketball (wofür ein Spielfeld
auf dem Platz vor den Werkstätten des Physikalischen Instituts aufgezeichnet wurde),
Boxen, Reiten (in einer privaten Reitschule im Lenneberg-Wald), Turnen, Wandern
und Volkstanz. Verständlich, dass ein solch umfangreiches Sportangebot nicht
ohne personelle Aufstockung durchgeführt werden konnte. Der Lehrauftrag von
Barbara Müller wurde erweitert, so dass sie nahezu alle für die Studentinnen
angebotenen Bereiche betreute. Berno Wischmann übernahm ausschließlich die
Übungsstunden der männlichen Studierende. Er nahm sogar aktiv an den ersten Deutschen
Leichtathletik-Hochschulmeisterschaften nach dem Zweiten Weltkrieg 1950 teil
und belegte im Stabhochsprung, seiner Spezialdisziplin, als 41-jähriger den 2.
Platz mit 3,40 m. Im Bereich des Vereinssports blieb Berno Wischmann weiterhin
Trainer der sehr erfolgreichen Leichtathleten von Rot-Weiß Koblenz bis zur
Gründung des USC Mainz im Jahre 1959. Diese Leichtathletik-Abteilung hatte er
während seiner Tätigkeit als Verbandssportlehrer des Rheinlands aufgebaut, so dass
es ihm ein wesentliches Anliegen war, diese weiter zu betreuen, zumal in Mainz
kein leistungsstarker Leichtathletik-Verein vorhanden war. Zahlreiche
Spitzenathleten dieses Vereins waren gleichzeitig Studierende der Universität
Mainz und gewannen als solche hei den ersten Hochschul-Meisterschaften 1950 in
Berlin den 800 m-Lauf und die 4 x 400 m-Staffel.
Am 1. Juni 1950 erhielt das
Sportamt mit dem Sportlehrer Hermann Roth aus Hamburg seine dritte Lehrkraft.
Von da an konnte dem immer größer werdenden Bedarf im freiwilligen Studentensport
von Seiten der Lehrkräfte nachgekommen werden, das Programm sogar um Fechten
(18) und Hallenhandball (1951), Faustball (1952), Volleyball und Judo (1954)
erweitert werden.
Die ersten konkreten
Teilnehmerzahlen liegen aus dem Jahr 1950 vor. Danach beteiligten sich im
Sommersemester 1950 insgesamt 1.200 Studierende am freiwilligen Studentensport,
davon über 200 am Tennis und nahezu 300 am Tischtennis. Aufgrund fehlender
Bootsplätze konnten nur 60 Interessenten am Rudern teilnehmen, dagegen hatten
sich 200 darum beworben. Ähnlich lagen die Verhältnisse bei den Tennisspielern.
Der Anteil der Studentinnen war hierbei recht gering; nach einer Aufstellung
für das Wintersemester 1951/52 beteiligten sich 76 Studentinnen und 552
Studenten regelmäßig an den Übungsstunden. Dazu kamen noch Studierende, die nur
gelegentlich teilnahmen, nicht eingeschlossen sind verständlicherweise die
Sommersportarten mit großer Beteiligung, wie Tennis und Rudern. Bei einer
Gesamtstudentenzahl von ca. 5.000 im Jahre 1950 hatte der freiwillige
Studentensport demnach eine Beteiligung von knapp 20%, was aufgrund der
insgesamt als begrenzt anzusehenden räumlichen Situation und des großen Anteils
der so genannten Fahrstudenten sehr beträchtlich erscheint.
Das Wettkampfwesen innerhalb des freiwilligen Studentensports
Über die frühesten Hinweise zu
Sportwettkämpfen innerhalb der Mainzer Universität, der französischen Zone und
darüber hinaus wurde bereits berichtet.
Nach Gründung der Bundesrepublik
Deutschland im Jahre 1949 gab es keine rechtlichen Hindernisse mehr für einen
freizügigen Sportverkehr mit allen anderen deutschen Universitäten und auch
Vereinen. Die ersten deutschen Hochschulmeisterschaften fanden im WS 1949/ 50
statt, nachdem sich ein Ausschuss der Hochschul-Sportreferenten konstituiert
hatte. (19). Die Universität Mainz beteiligte sich an diesen ersten Deutschen
Hochschulmeisterschaften im Fußball und Handball, in der Leichtathletik und
Schwimmen. Neben den beiden bereits erwähnten Meisterehren in der
Leichtathletik, wobei besonders die beiden international bekannten
Leichtathleten Bert und Günther Steines, die bei Rot-Weiß Koblenz unter Berno
Wischmann trainierten, Anteil hatten, erzielten auch die Schwimmer 2 dritte Plätze.
Erwähnenswert ist der dritte Platz über 100 m-Brust von M. Dauber, da mit ihr
erstmals eine Studentin für die Universität Mainz erfolgreich war. Eine
erstmalige Teilnahme an den Box-Meisterschaften erfolgte im WS 51/52, bei der
Mario Adorf als Mainzer Student ins Finale vorstieß, im Hallenhandball 1952/53
und im Rudern 1953. Reiter der Johannes Gutenberg-Universität waren erstmals
bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften 1954/55 dabei, 1956 kam Volleyball
hinzu. Nicht nur in der Leichtathletik, auch im Tischtennis, im Boxen und im
Rudern kamen Mainzer Studenten in den frühen fünfziger Jahren zu deutschen Hochschulmeister-Ehren;
im Fechten, Reiten, Basketball und Volleyball drang man in die Endrunde vor.
Auf internationaler Ebene war mit
Günther Steines 1949 erstmals ein Student der Universität Mainz bei den Studenten-Weltmeisterschaften
(später wurden diese Weltspiele als "Universiade" bezeichnet) in
Meran vertreten. Er gewann den 800 m Lauf und gehörte damit zu den ersten
Deutschen nach dem 2. Weltkrieg, die eine wichtige internationale Meisterschaft
errangen. (20)
An den
Studenten-Weltmeisterschaften 1951 nahmen die Mainzer Studenten E. Bauer und K.
Schneider als Mitglieder der deutschen Basketball- bzw. Hockeymannschaft teil,
zwei Jahre später gelang es Bert Steines den Titel eines Studenten-Weltmeisters
über 110 m-Hürden zu gewinnen. Ein solcher Titelgewinn war damals von hohem internationalen
Prestige, gleich nach einer olympischen Medaille einzuordnen.
Obgleich die französische
Militärregierung bereits Anfang 1949 internationale sportliche Universitäts-Wettkämpfe
erlaubt hatte, (21) kam es erst im Sommer 1951 zu einer solchen ersten Begegnung.
Französische Leichtathleten starteten am 28. April 1951 bei einem Universitäts-Sportfest
in Mainz, während im gleichen Sommer eine Tischtennismannschaft nach Frankreich
fuhr und die Handballmannschaft der Universität an einem Europa-Turnier in Saarbrücken
teilnahm. In den folgenden Jahren wurden Sportbegegnungen mit französischen Mannschaften
in mehreren Sportarten zur Gewohnheit; ein erster Vergleichskampf gegen eine
spanische Universität fand an Ostern 1953 in Barcelona mit Leichtathletik und
Handball statt. Der erste sportliche Kontakt zu einem Ostblockland entstand im
Frühjahr 1954, als eine Handball-Mannschaft der Universität Zagreb, der
heutigen Partnerstadt von Mainz, hier zu Gast war. Im gleichen Jahr fuhr die
Mainzer Mannschaft nach Jugoslawien zum Rückspiel.
Die Organisation des Sports innerhalb der Studentischen Selbstverwaltung
Neben dem von der Universität
eingerichteten Sportamt gab es innerhalb des ASTA seit dem WS 46/47 einen
Sportreferenten, der die Verbindung zwischen der Studentenschaft und dem Sportamt
garantieren und zusammen mit diesem den Übungs- und Wettkampfbetrieb organisieren
sollte. Dazu kamen die Verwaltung der Sportbeiträge der Studentenschaft und die
Werbung für den Sport auf breitester Basis.
Die Sportbeiträge von DM 3,-- pro
Student und Semester wurden nach einer Zusammenstellung vom 7. Juni 1950 für
folgende Aufgabe verwandt:
„Sportlehrergehalt, Anschaffungen
von Geräten und Sportkleidung, da nichts vorhanden war.
Anschaffungen für Sportbücherei
Mieten für Platzanlagen
Fahrten der Wettkampfmannschaften,
die in den Disziplinen Turnen, Fußball, Handball, Basketball, Hockey,
Schwimmen, Tennis und Schilauf an den Kämpfen um die Deutsche Hochschulmeisterschaft
teilnahmen.
Beiträge für die
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sportreferenten
Bürobedarf, (Schreibmaschine,
Papier und Vervielfältigungen)
Platzherrichtung und Aufbau bei
Wettspielen, Säuberung der Sportgarnituren und Ähnliches.“(22)
Auf Anregung verschiedener Obleute
und des Sportamtleiters Berno Wischmann kam es 1950 zur Gründung eines
"Studentischen Sportausschusses" (SSA). Der SSA sollte dafür sorgen, dass
die sportlichen Belange der Studentenschaft sachgerecht und angemessen von
Seiten der sportinteressierten Studierenden vertreten wurde, was durch den
ASTA-Sportreferenten nicht gewährleistet schien. Der Sport an der Universität
Mainz hatte im Spätjahr 1950 bereits einen solchen Umfang und Bedeutung
erlangt, dass es am 8.11.1950 zur Gründung des SSA kam. Der ASTA -
Sportreferent wurde zu den Sitzungen des SSA eingeladen, hatte aber keine
praktische Funktion mehr. Ab 1954 drängte der SSA darauf, dass sein erster
Vorsitzender gleichzeitig als Sportreferent des ASTA fungieren sollte, was
wiederum der ASTA ablehnte, da dieser nicht von der Gesamtstudentenschaft
gewählt wäre. Der jahrelange Streit wurde durch eine Änderung der Satzung der
SSA vom 14.1.1957 beigelegt:
Der Vorsitzende des SSA wurde auch
für den ASTA als zuständiger Sportreferent anerkannt, während der ASTA und das
Studentenparlament Sitz und Stimme im SSA erhielten. (23)
Die Arbeit des SSA wirkte sich ab
1951 für den freiwilligen Studentensport sehr fördernd aus. Ein eigenständiger Ausschuss
wie der SSA konnte die mit dem umfangreichen Sportverkehr der Universität
anfallenden Arbeiten besser bewältigen als dies für eine einzelne Person im
ASTA möglich war.
Idee und Entstehung der Sportlehrerausbildung an der Universität Mainz
Neben dem Ausbau des freiwilligen
Studentensports war bei einem Teil der sporttreibenden Studenten der Wunsch
vorhanden, das Fach "Leibeserziehung" auch als Studienfach im Fächerkanon
der Ausbildung für das höhere Lehramt studieren zu können. Bereits im Frühjahr
1947 legte man dem Rektor der Universität Mainz den Plan zur Errichtung einer
"Fachschule für Turnen und Sport" vor, wodurch eine relativ schnelle
Ausbildung von Sportlehrern erreicht und damit dem großen Sportlehrermangel in
Deutschland abgeholfen werden sollte.
Obwohl die französische
Militärregierung diesem Projekt positiv gegenüberstand, wurde es von Seiten der
Rheinland-Pfälzischen Landesregierung in Koblenz wohl aus Kostengründen abgelehnt.
Im Januar 1948 schlug der damalige Sportamtsleiter Dietz dem Rektor der Universität
die Gründung eines Instituts für Leibesübungen vor.(24) Diesem Vorschlag wurde
jedoch keine weitere Beachtung geschenkt. Ein weiterer Vorstoß ist von Seiten
der Arbeitsgemeinschaft der Direktoren der Institute für Leibesübungen an den
deutschen Universitäten bekannt, die am 27.6.1949 den Rektor der Universität
Mainz auf die Notwendigkeit der Gründung eines solchen Instituts hinwiesen.
(25) Während der Rektor die Vorschläge dem Kultusministerium gegenüber als beachtenswert
bezeichnete, hielt der Kurator der Universität diese Angelegenheit für zu
kostspielig. (26) Der Gedanke an ein Institut für Leibesübungen an der
Universität Mainz wurde dagegen nicht aufgegeben. Unter anderem stellte sich
der im Februar 1952 gegründete Akademische Ausschuss für Leibesübungen hinter
diese Forderung, da es nicht einzusehen war, dass zahlreiche Studierende an
andere Universitäten wechselten oder von anderen Universitäten nicht nach Mainz
wechseln konnten, da es keinen Weg zum Erwerb der „Turnfakultas“ gab. (27) Da
die Universität Mainz die einzige Landesuniversität war, erschien diese
Forderung berechtigt, zumal das Engagement von Berno Wischmann und die darauf
aufbauenden Erfolge Mainzer Studentinnen und Studenten bei nationalen und internationalen
Meisterschaften eine Werbung für den Hochschulsport in Mainz und damit für das
Image der Universität insgesamt waren, womit der Universität und dem Land gute
Gründe für den Aufbau eines solchen Instituts an die Hand gegeben wurden. Rektor
und Senat der Universität stimmten diesem Projekt am 10.7.1953 grundsätzlich zu;
eine Prüfungsordnung für das Fach „Leibeserziehung im höheren Lehramt“ wurde
ausgearbeitet. Am 13.10.1954 besuchte der kulturpolitische Ausschuss des
Landtags von Rheinland-Pfalz die Universität, um sich an Ort und Stelle über
die Notwendigkeit der Errichtung eines Instituts für Leibesübungen zu
informieren. In der Zwischenzeit warteten viele Studenten auf die Möglichkeit,
das Sportstudium aufnehmen zu können. Da ihnen die staatlichen Bemühungen zu
schleppend erschienen, wanden sie sich am 19.11.1954 mit einer Petition direkt
an das Kultusministerium.
Die Gründung des lang ersehnten
Instituts erfolgte durch Erlass des Ministeriums für Unterricht und Kultus des
Landes Rheinland-Pfalz vom 6. April 1955; der Universitäts-Sportlehrer Dr.
Berno Wischmann wurde zum kommissarischen Direktor ernannt.
Der Ausbau der Sportstätten
Sehr eng mit der Gründung eines
solchen Instituts für Leibesübungen war auch die Frage nach den zu benutzenden
Übungsstätten verbunden. Gerade dieser Punkt war mit ausschlaggebend für das lange
Zögern des Ministeriums, nachdem die vorhandenen Anlagen (Turnsaal über der
Mensa, Tischtennisraum über dem Auditorium Maximum, Basketballfeld vor der
Werkstatt des Physikalischen Instituts) der Gründerjahre und der im Jahre 1951
errichtete Sportplatz auf dem Gelände der heutigen naturwissenschaftlichen
Fakultät sich bereits für den freiwilligen Studentensport als nicht ausreichend
erwiesen hatten. Seit 1951 kämpften deshalb Studentenschaft, Sportamt und der
Akademische Ausschuss für Leibesübungen um ein Stadion für Leichtathletik und
Mannschaftsspiele und um eine Turnhalle, die den sportlichen Anforderungen
gerecht würde.(28) Da von Seiten des Kultusministeriums und anderer staatlicher
Stellen keine positiven Antworten eingingen, wandte sich die Studentenschaft in
Schreiben vom 17.6.1953 an die Landtagsfraktionen der CDU und SPD. Die
Abgeordneten beider Fraktionen versprachen, sich in den Etatberatungen für die
Errichtung einer Sporthalle einzusetzen, bemerkten jedoch, dass im laufenden
Jahr 1953 keine Mittel zur Verfügung stünden.(29) Nach dem Besuch des kulturpolitischen
Ausschusses des Landtags im November 1954 in der Universität waren die
Abgeordneten von der Dringlichkeit eines Sportstättenneubaus überzeugt und
stellten die Bewilligung entsprechender Mittel im neuen Haushaltsjahr in
Aussicht. Doch auch diese Hoffnung sollte sich wiederum zerschlagen. Lediglich
drei Asphalt-Tennisplätze kamen 1954 hinzu. Auf Initiative der Sportlehrerin
Barbara Müller gelang es 1955, Pioniere der 2. amerikanischen Panzerdivision
kostenlos für Planierungsarbeiten für ein Universitätsstadion in Selbsthilfe zur
Verfügung gestellt zu bekommen. Das Universitätsstadion mit seinen Nebenplätzen
stellte den ersten Bauabschnitt zum Aufbau des Hochschulinstituts für
Leibesübungen dar, welches am 24.4.1957 endlich seiner Bestimmung übergeben
werden konnte. Kurze Zeit später fand am 7. Juni 1957 auch das Richtfest der
neuen Sporthalle statt, die im August 1958 eingeweiht wurde.
Der unermüdliche Einsatz von
Barbar Müller als erste Mainzer Universiätssportlehrerin, besonders aber die
Person Berno Wischmanns und dessen unkonventionelle Art vorzugehen, wenn es
galt, einmal als richtig erkannte Ziele beim Ausbau des Sports an der
Universität Mainz durchzusetzen, bildeten die wesentliche Grundlage für den
hohen Stand und die internationale Anerkennung des "Mainzer Sportinstituts".
Was uns heute selbstverständlich erscheint, musste in drei Jahrzehnten gegen
den oft harten Widerstand uneinsichtiger Dienststellen erkämpft werden. Glücklicherweise
gab es unter den Rektoren und in der Professorenschaft auch immer einzelne
engagierte Mitstreiter.
Solchen unbekannten Förderern,
besonders aber den drei ersten Sportlehrern Barbara Müller (gest. 1996), Hermann
Roth (gest. 1989) und Berno Wischmann (gest.2001) sei dieser Beitrag zur
Erinnerung gewidmet.
ANMERKUNGEN
(1) Art. 1
des Dekrets der Französischen Militärregierung vom 1.3.1946, In: Journal
Officiel, Baden-Baden 8.3-1946. Zitiert nach MATHY, H.: Die Universität Mainz
1477-1977. Mainz 1977, S. 292.
(2) Hierzu
vgl. MATHY, H.: Neue Dokumente zur Wiedereröffnung der Mainzer Universität
194S/46. In: Jahrbuch der Vereinigung Freunde der Universität 1967/77. Bd.
25/26. Mainz 1977. 5.208-225. Vgl. auch MATHY,H.: Die Wiedereröffnung der
Mainzer Universität 1945/46. Dokumente, Berichte, Aufzeichnungen, Erinnerungen.
Mainz 1966.
(3) Diese
Auffassung des Verf. wurde in einem Gespräch mit H. Mathy, dem besten Kenner
der Mainzer Universitätsgeschichte von diesem geteilt. (4) Rundschreiben der
Französischen Militärregierung über die Gründung von Sportvereinigungen Nr.
1664-DGAA-EDU vom 26.2.1946. Akte-Rektoramt 320-50.
Ein
solcher Universitäts-Sportverein, nicht zu verwechseln mit dem 1959 gegründeten
Universitäts-Sport-Club (USC) wurde auf Initiative des ASTA am 29.4.1948
gegründet, jedoch ist über seine weitere Arbeit weder aus den Akten noch aus
Rückfragen bei damaligen Studenten dem Verf. etwas bekannt geworden. Hinweis
auf Gründung siehe Akte Rektoramt 320-50, darin Genehmigung der Gründungsversammlung
durch den Univ. Offizier und Einladung an den Rektor vom 21.4.48.
(5)
MAINZER ANZEIGER vom 8.3.1946. 5.2: Die Mainzer Universität (In raschem
Aufbau-Eröffnung zum Sommer-Semester).
(6)
MAINZER ANZEIGER vom 21.5.1946.5.4: Die Tore sind geöffnet. (Akademie im Grünen)
- ein Wäldchen und ein Sportplatz. Es müssen erhebliche Zweifel angemeldet
werden, dass der Hinweis auf den Sportplatz stimmt. Sowohl der mit den
organisatorischen Maßnahmen zur Gründung betraute Kurator F. Eichholz als auch
die erste Sportlehrerin, B. Müller, wussten davon nichts.
(7) Brief
von Barbara Müller an den Dekan der Philosophischen Fakultät vom 3.2.1947. Akte
Rektoramt 320-50.
vgl.
MÜLLER,B.: Der Aufbau des Sports an der Universität Mainz. "Erinnerungen
nach 25 Jahren". In: Leistung als Prinzip. Berno Wischmann zum 65.
Geburtstag. Mainz 1975.5. 25-32.
Programm
des Sportamtes vom 17.2.1947. Akte Rektoramt 320-50.
(8)
Schreiben des Sportamtleiters Dietz vom 8.4.1947 an den Rektor. Akte Rektoramt
320-50.
(9)
Hierzu: Tätigkeitsbericht des Sportamtes für das Wintersemester 1946/ 47. Seite
3. Akte Rektoramt 320-50.
(10)
Ebenda S. 7
(11) Aus
der Aktenlage ist nicht klar ersichtlich, ob bereits im Jahre 1948 oder erst
1949 damit begonnen wurde. Da aber ein Brief des ASTA vom 21.1.1949 diese beiden
Spottarten bereits nennt, ist anzunehmen, dass es sich um das SS 1948 handelt.
(12)
Aushang des Sportamtes vom 7.3.1947 betr. Sport im SS 1947. Akte Rektoramt
320-50.
(13)
Anfrage des Sportamtes vom 31.5.1947 mit abschlägigem Vermerk vom 8.7.1947.
Akte Rektoramt 320-50.
(14)
Schreiben des Kurators an den ASTA vom 18.5.1948. Akte Rektoramt 320-50.
(15) Vgl.
hierzu Schreiben des ASTA - Sportreferenten
Schöffel vom 21.4. 1949 an den Rektor. Akte Rektoramt 320-50.
(16)
Schreiben des ASTA an den Kurator der Universität vom 21.1.1949. Akte Rektoramt
320-50.
(17)
WISCHMANN,B.: Zum 65. Geburtstag des Philosophen und Pädagogen O.F. Bollnow.
In: Die Leibeserziehung (1968) H.4. S. 110.
(18)
Bezüglich der Einführung des Fechtens war es zu einer monatelangen Auseinandersetzung
zwischen dem Rektor und dem Deutschen Fechterbund gekommen da der Rektor und
der Senat zögerten, das Fechten als rein sportlich anzuerkennen. Akte Rektoramt
320-50.
(19)
Dieser Ausschuss bildete die Vorgängerorganisation des heutigen Allgemeinen Deutschen
Hochschulsportverbandes (ADH)
(20) Die
deutschen Studenten waren damals durch ein Versehen zu diesen
Studenten-Weltmeisterschaften eingeladen worden; ihre Teilnahme stellte die
erste deutsche Beteiligung an internationalen Meisterschaften nach dem 2.
Weltkrieg dar.
(21)
Schreiben der Délégation Générale pour 1e Gouvernement Militaire. Mainz
31.5.1949. Dieses Schreiben gestattete nur Freundschaftswettkämpfe.
(22) Vgl.
Kurzer Bericht über den Turn- u. Sportbetrieb an der Universität Mainz.
Erstattet vom Sportamt. F.6 1950. Akte Rektoramt 320-50.
Bei dem
Sportlehrergehalt handelt es sich um stundenweise angestellte Sportlehrer.
(23) Siehe
hierzu verschiedene Briefe in der Akte des Rektoramts 320-53. (24) Schreiben
von Sportamtsleiter Dietz an den Rektor vom 10.2.1948. Akte Rektoramt 320-52.
(25) Brief
der Arbeitsgemeinschaft der Institutsdirektoren Deutschlands vom 27.6.1949.
Akte Rektoramt 320-52.
(26)
Schreiben des Kurators an das Ministerium für Unterricht und Kultus vom
16.8.1949. Akte Rektoramt 320-52
(27)
Schreiben des Akademischen Ausschusses für Leibesübungen an das
Kultusministerium vom 28.2.1953. Akte Rektoramt 320-52.
(28)
Schreiben des Akademischen Ausschusses für Leibesübungen an das
Kultusministerium vom 12.4.1953. Akte Rektoramt 320-50.
(29)
Schreiben des Studentischen Sportausschusses an die SPD-Landtagsfraktion vom
17.6.1953. Akten des SSA.