SPORT MYTHOS

„SpitzenturnerInnen müssen klein sein!“

Kleine Turnerinnen wie die frühere amerikanische Spitzenturnerin Mary Lou Retton (1,46m) oder auch der 1,63m kleine deutsche Weltklasseturner Fabian Hambüchen lassen die Vermutung aufkommen, dass ein/e Turner/in klein gebaut sein muss, wenn sie/er in der Weltspitze mithalten will.

  • KÖRPERBAUMERKMALE BEI SPITZENTURNERN

    Laut Weltgesundheitsordnung werden heute 19-jährige Jungen im Durchschnitt 1,74m und 19-jährige Mädchen 1,64cm groß (WHO 2012). Die Teilnehmer der letzten Turnweltmeisterschaften und Olympischen Spiele sind durchschnittlich 10-20cm kleiner.

    Aufgrund ihrer günstigen Hebelverhältnisse und der Fähigkeit, Muskulatur auszubilden, bringen die kleinen  Turner besonders gute Voraussetzungen für den Turnsport mit. Auf der anderen Seite zeigen aber auch eindrucksvoll die besonders großen Turner in der Weltspitze, dass  sie zu olympischen Goldmedaillen gelangen können.

  • GROßE TURNGRÖßEN

    Swetlana Boginskaja, Weißrussin, dreifache Olympiasiegerin und fünffache Weltmeisterin (1990: EM Gold für alle fünf Einzelwettkämpfe) ist mit 1,61 Meter für eine Kunstturnerin ungewöhnlich groß. Boginskaja überzeugte während ihrer Karriere vor allem durch ihre besondere Eleganz und weibliche Ästhetik.

    Swetlana Khorkina, Russin, anschließend Model und derzeitig Politikerin, gewann zweimal Olympisches Gold am Stufenbarren (u.a. 2000 in Sydney) und neunmal Gold bei Weltmeisterschaften. Kkorkina überragte ihre Konkurrentinnen häufig um mehr als eine Kopflänge, glänzte aber aufgrund ihrer Größe und Ausstrahlung.

    Der niederländische Turner Epke Zonderland holte sich aufgrund seiner grandiosen Reckkür bei Olympia 2012 in London vor dem 10 cm kleineren Fabian Hambüchen den Olympiasieg am Reck. Der 1,73m große Spitzenturner profitierte von seiner Größe bei den unzähligen Flugteilen.

  • MYTHOS WIDERLEGT

    Der Großteil der SpitzenturnerInnen, die auf internationalen Wettkämpfen teilnehmen, ist kleiner als der altersgleiche Durchschnitt der Jungen und Mädchen. Doch gerade die großen TurnerInnen, die aus der Masse der kleineren WetkämpferInnen herausstechen, erreichen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften immer wieder die begehrten Goldmedaillenplätze.

  • LITERATUR

    Brüggemann, G.-P. & Krahl, H. (2000). Belastungen und Risiken im weiblichen Kunstturnen. Schorndorf.

     

    World Health Organization (WHO) (2012). Entwicklung der Körpergrößen bei Kindern und Jugendlichen.

  • ABTEILUNG

    Univ.-Prof. Dr. Holger Preuß

    Leiter der Abteilung Sportökonomie, Sportsoziologie und Sportgeschichte

     

     

    Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Institut für Sportwissenschaft

  • KONTAKT

    Dr. Mariette Mauritz, JGU

    mahkorn@uni-mainz.de

     

     

 

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