SPORT MYTHOS

„Risikosportler sind alle

 todessehnsüchtig!"

„Risikosportler stürzen sich in unkontrollierbare Situationen, kämpfen gegen übermenschliche Naturkräfte an, denen Sie einen heldenhaften Sieg abringen wollen!“ So oder ähnlich wird das Engagement in risikoreichen Sportarten in der Öffentlichkeit häufig wahrgenommen, aber trifft dies zu ?

  • NO RISK – NO FUN !?

    Risikosportarten wie Paragliding, Free-Solo-Klettern, BASE-Jumping und viele mehr schlagen den ungeübten Betrachter häufig in den Bann: Der Willkür der Naturkräfte ausgesetzt, kämpfen Sportler allein mit ihren Körperkräften, ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten und mit ihren technischen Spielgeräten ausgestattet  gegen die Herausforderungen der Natur an: Und dies alles nicht, weil die Sportler es müssen, sondern weil Sie daran Freude haben. Dies wirft viele Fragen auf, wie u.a.:

    Wie lässt sich das Verhältnis von Gefahr bzw. Risiko und sportlichem Engagement verstehen? Handelt es sich bei diesen Sportlern um Todessehnsüchtige; ist  die Erlebnissuche Ausdruck einer wankelmütigen und schnelllebigen Suche nach dem neuesten „Kick“? Ist die Verneinung traditioneller Wettkampfformen Ausdruck eines fehlenden Leistungsstrebens dieser Sportler?

  • GRENZGANG UND SELBSTKONTROLLE

    Risikosportler – so zeigt eine empirische Studie zum Free-Climbing, Paragliding und Free-Riding (Snowboarding) – zeigen ein hohes Leistungsstreben, das anders als das traditionelle Wettkampfethos des Sports sein Leistungsparadigma nicht im objektiven Vergleich findet (vgl. Stern 2010): Ein hochgradig individualisierter Grenzgang stellt das angestrebte Optimum dar, das auf dem schmalen Grad zwischen der Ausschöpfung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten einerseits und den selbstgewählten Heraus-forderungen anderseits gesucht wird.

     

    Dieses Engagement schließt eine nachhaltige Arbeit an sich Selbst ein, bei der die körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten fortwährend verbessert werden, der Umgang mit den high-tech Sportgeräten geübt und verfeinert wird sowie ein umfangreiches Wissen über die Herausforderungen, deren Gefahren und kontrollierbaren Risiken erworben wird.

     

    Risikosportler stürzen sich gerade nicht ‚hals-über-Kopf‘ in eine Gefahrensituation, sondern Sie kalkulieren auf der Grundlage eines reflektierten und analytisch genauen Umgangs mit den Bedingungen ihr sportliches Handeln: Damit dies gelingen kann, muss der Grenzgang eines jeden Sportlers individuell auf die jeweiligen Möglichkeiten abgestimmt werden – ein Wettkampf mit den Idealen der Chancengleichheit und eines objektiven Vergleichs steht konträr dazu.

  • MYTHOS WIDERLEGT

    Risikosportarten sind (körper-)tech-nisch voraussetzungs-voll und wissens-basiert: ausgeprägte Kontrollfähigkeit aller Einflussfaktoren und deren Stimmigkeit bestimmen den Erfolg !

  • LITERATUR

    Stern, M. (2010): Stilkulturen. Performative Konstellationen von Technik, Spiel und Risiko. Bielefeld: transcript Verlag.

  • ABTEILUNG

    Univ.-Prof. Dr. Martin Stern

     

    Leiter der Abteilung  Sportpädagogik

    und Sportethik

     

    Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Institut für Sportwissenschaft

  • KONTAKT

    Univ.-Prof. Dr. Martin Stern, JGU

    stern@uni-mainz.de

     

     

     

 

<<<  Übersicht aller Sportmythen

© JGU Mainz | Instiitut für Sportwissenschaft             Webdesign Bogdan Coman